Spielerberater: Die heimlichen Chefs im Fußball?

Zuletzt aktualisiert: 11.10.2018

Spätestens seit dem Wechsel von Paul Pogba zu Manchester United und der beeindruckenden Transfersumme von 105 Millionen Euro sind auch die Spielerberater stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Doch in der Regel bleibt es bei einem groben Überblick, denn über die genaue Arbeit der Spielerberater ist meistens nur wenig bekannt. Fakt ist allerdings, dass die Agenten für ihre Arbeit fürstlich entlohnt werden. Gleichzeitig wird hier und da aber auch immer wieder Kritik laut, da sich die Branche schweren Vorwürfen gegenüber sieht. Wie genau die Arbeit von einem Spielerberater aussieht und wie groß der Einfluss im Fußball wirklich ist, schauen wir uns mal genauer an.

Was machen Spielerberater?

Für die Öffentlichkeit scheint es häufig so, als würde die Arbeit eines Spielerberaters lediglich aus dem Abkassieren bestehen. Das ist allerdings nicht ganz richtig, denn in der Praxis ist die Arbeit eines Spieleragenten enorm umfangreich. Angefangen vom Scouting, wo natürlich erst einmal vielversprechende Spieler gesichtet werden müssen. Nicht selten sind die Spielerberater daher im Prinzip das ganze Jahr auf den Sportplätzen dieser Welt unterwegs. Wurde dann tatsächlich ein verheißungsvolles Talent entdeckt, müssen natürlich erst einmal Verhandlungen aufgenommen werden. Sobald der Vertrag zwischen dem Berater und dem Spieler zustande kommt, beginnt die eigentliche Arbeit des Beraters. Dieser handelt zum Beispiel den Vertrag aus wenn ein Spieler von einem zum anderem Verein wechselt.

Gleichzeitig fallen aber auch noch weitere Tätigkeiten in den Aufgabenbereich des Beraters. Hierzu gehört zum Beispiel die Wohnungssuche, was bei einem Profi und mehreren Vereinswechseln durchaus einen großen Teil der Arbeitszeit beanspruchen kann. Darüber hinaus vermittelt der Spielerberater aber auch Steuerberater, kümmert sich um die möglichen Partner für die Werbung oder beschäftigt sich mit den restlichen Bedürfnissen der Profis.

Kritikpunkt der Öffentlichkeit: So kurz ist der Weg zum Spielerberater

Wie wird man Spielerberater? Diese Fragen stellen sich einige Sport-Fans, denn natürlich lockt neben hohen Verdienstmöglichkeiten auch die mögliche Nähe zum Profi-Sport. Gute Nachrichten gibt es hierbei in der Tat für alle Interessenten, denn Spielerberater werden ist gar nicht so schwer. Noch bis zum Jahre 2015 war eine offizielle Prüfung erforderlich, die theoretisch von allen Bewerbern erfüllt werden musste. Gleichzeitig wurden durch den DFB auch Prüfungen des Backgrounds durchgeführt, so dass zum Beispiel auch die Akte bei der Polizei auf mögliche Einträge untersucht wurde. Mittlerweile hat sich die Prozedur aber deutlich verkürzt, denn die theoretische Prüfung fällt weg. Heiß also: Wer Spielerberater werden möchte, muss hierfür keine besonderen Qualifikationen oder Kenntnisse mehr vorweisen.

Dieser Schritt hat für große Kritik beim breiten Publikum gesorgt, da selbstverständlich auch „schwarze Schafe“ auf diesem Wege leicht in das Geschäft drängen können. Das ist in der Tat der Fall, allerdings haben sich die renommierten Berater und Agenturen bereits einen Namen gemacht. Gleichzeitig sind durch die große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ebenfalls zahlreiche unseriöse Vertreter von der Branche verschwunden.

Wie viel verdient ein Spielerberater?

Die Löhne und Gehälter haben im Profisport, insbesondere im Fußball, in den letzten Jahren enorm zugenommen. Davon profitieren natürlich auch die Berater, deren Gehälter ebenfalls „angepasst“ werden. Wie viel ein einzelner Berater verdient, ist dabei selbstverständlich immer vom jeweiligen Kontrakt mit dem Spieler und den Verhandlungen mit den Vereinen abhängig. In der Regel wird allerdings zwischen zwei verschiedenen Zahlungsmethoden für die Beratung gewählt:

  • Provision bei Wechsel/Vertragsverlängerung
  • Prozentualer Anteil am Jahresgehalt des Profis

In den meisten Fällen erhalten die Spielerberater eine Provision, die bei einem Wechsel oder einer Vertragsverlängerung vom Verein gezahlt wird. Hier findet sich ein möglicher Kritikpunkt, denn unseriöse Spielerberater könnten ihren Spielern so zahlreiche Wechsel ans Herz legen, um immer kräftig die eigenen Taschen füllen zu können. Individuell wird hierbei noch einmal unterschieden, wie hoch die Provision des Beraters ausfällt. So können zum Beispiel fünf Prozent Provision verlangt werden, während andere Berater zehn Prozent vom Verein einfordern. Ein alternatives Modell ist der prozentuale Anteil am Jahresgehalt eines Profis. Wird also beispielsweise bei einem Jahresgehalt von zwei Millionen Euro ein Anteil von zehn Prozent ausgehandelt, gibt es für den Berater satte 200.000 Euro.

Die bekanntesten Spielerberater Deutschlands: Das sind die Top 5

International ist vor allem der Name Mino Raiola immer wieder ein Begriff, da der geborene Italiener unter anderem für den Transfer von Pogba zu United zuständig war. Der Neuzugang von ManU allerdings ist nur einer von vielen Profis, die im Star-Ensemble von Raiola zu finden sind. Neben dem Franzosen gehören so zum Beispiel auch Maxwell, Henrik Mkhitaryan, Blaise Matuidi, Romelu Lukaku, Mario Balotelli oder Zlatan Ibrahimovic zum Aufgebot von Mino Raiola. Eine beeindruckende „Sammlung“, vor der sich die Spielerberater in Deutschland allerdings nicht verstecken müssen. Auch in der Bundesrepublik gibt es zahlreiche „Big Player“. Welche fünf hierbei die Spitze übernehmen und welche Spieler den jeweiligen Agenturen unter anderem zuzuordnen sind, haben wir uns nachfolgend einmal ganz genau angesehen:

  1. Volker Struth („SportsTotal“): Mario Götze, Toni Kroos, Marco Reus
  2. Thomas Kroth („Pro Profil GmbH“): Manuel Neuer, Patrick Herrmann, Shinji Kagawa
  3. Robert Schneider („Agentur Avantgarde“): Bastian Schweinsteiger, Julian Schieber, Holger Badstuber
  4. Jörg Neubauer: Sami Khedira, Jerome Boateng, Rene Adler
  5. Roger Wittmann („ROGON Sportmanagement GmbH & Co KG“): Kevin-Prince Boateng, Julian Draxler, Luiz Gustavo

Fazit: Spielerberater sind für Profis enorm wichtig

Auch wenn die Öffentlichkeit möglicherweise ein wenig über die fehlende Transparenz bei der Arbeit der Spielerberater klagt, haben diese für die Profis einen enormen Stellenwert. Neben der beratenden Tätigkeit bei Verhandlungen für Transfers fallen zum Beispiel auch die Betreuung bei der Wohnungssuche oder die Hilfe beim Steuerberater in das Aufgabenfeld der Agenten. Die beeindruckenden Bezahlungen und Löhne kommen dabei natürlich nicht von ungefähr, sondern sind in jedem Fall auch ein Ergebnis der finanziellen Entwicklungen. Nachlassen wird die Arbeit der Spielerberater also in naher Zukunft nicht. Für die Spieler ist das sicherlich eine erstklassige Nachricht, auch wenn sich der eine oder andere im Profisport eine feste Regulierung und Lizenz für die Agenten wünscht.

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