Gianni Infantino – Der neue Boss der FIFA

Zuletzt aktualisiert: 05.12.2018

Screenshot Gianni Infantino / Wikipedia

Screenshot Gianni Infantino / Wikipedia

Nachdem der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter seinen Hut nehmen musste, steht mit Gianni Infantino nun sein Nachfolger fest. Den meisten Wettfreunden dürfte der Schweizer Funktionär vor allem durch die Auslosung der Champions League ein Begriff sein, die er regelmäßig leitete. Als obersten Chef des Weltfußballverbandes haben Infantino aber nur die allerwenigsten gesehen, am allerwenigsten er selbst. Doch wer ist eigentlich der neue Chef auf dem Thron, der mit 115 Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt wurde? Wir haben uns die Person Gianni Infantino einmal genauer angesehen und dabei durchaus beeindruckendes über den Mann erfahren, der wohl vor der schwersten Aufgabe seines Lebens steht.

Lebenslauf: Gianni Infantino war der Nachbar von Sepp Blatter

Geboren wurden Gianni Infantino am 23. März 1970 in Brig, im Kanton Wallis in der Schweiz. Nachbar in der Region war kein geringerer als der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter, der nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen endgültig seinen Schreibtisch räumen musste. Sein Vater stammt aus Italien, aus der Reggio Calabra, also der Region um Kalabrien. Seine Mutter kommt aus Val Camonica aus der Lombardei. Bereits frühzeitig interessierte sich Infantino für den Sport und kam so zum FC Folgore, der immerhin in der fünften Liga spielte. Zu dem Verein gibt es eine nette Anekdote, denn Infantino wollte bereits als 18-Jähriger als Vereinschef fungieren. Möglich gemacht wurde dies größtenteils durch seine Mutter, die sich bereiterklärte, sämtliche Trikots der Mannschaften zu waschen. Beruflich war der Walliser zu diesem Zeitpunkt Student und studierte Rechtswissenschaft. Im Anschluss an sein Studium war er dann als Rechtsanwalt tätig.

Die Karriere verlief steil

Auch wenn es fußballerisch für Gianni Infantino nicht ganz bis in die höchsten Sphären des Sports reichte, hat er als leitende Persönlichkeit jetzt das höchste Amt im Fußball inne. Ohnehin verlief die Karriere des Schweizers beeindruckend steil. Nach seinem Studium arbeitete der heutige FIFA-Boss zunächst als Berater an der Universität Neuenburg. Hier beriet er zahlreiche nationale und internationale Fußballgremien. Ab dem August 2000 war er bei der UEFA angestellt und wurde Generalsekretär des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES). Vier Jahre später übernahm er bereits die Leitung der Rechts- und Klublizenzierungsabteilung. Ohnehin durchlief Infantino während seiner Zeit bei der UEFA unzählige Stationen, die ihn mittlerweile auf die höchste Position katapultiert haben. Nach dem Rücktritt des Schweden Lars-Christer Olsson übernahm Infantino im Februar 2007 den Posten als Generaldirektor der UEFA und wurde anschließend zum Vize-Generalsekretär ernannt. Vermutlich einer der wichtigsten Momente im Leben des Schweizers, denn nur zwei Jahre später folgte dadurch seine Ernennung zum Generalsekretär.

Für eine Überraschung sorgte Infantino am 25. Oktober 2015, als er seine Kandidatur zur Wahl des FIFA-Präsidenten bekannt gab. Er selber sagt dazu: „Manchmal gibt es im Leben Situationen, in denen man seine Pläne ändern muss, weil es die Bedingungen erfordern.“ In der Tat kam der charismatische Walliser nur deshalb überhaupt in Frage, weil Uefa-Boss Michel Platini aufgrund seiner Sperre nicht antreten konnte. Offenbar ist sich der Fußballverband aber jetzt sicher, dass mit dem intelligenten und zurückhaltenden Infantino jetzt der richtige Mann an die Spitze gestellt wurde. Obwohl keiner ihm ernsthafte Siegeschancen einräumte, erreichte er bei der Wahl in Zürich am 26. Januar 2016 im ersten Wahlgang 88 Stimmen. Im zweiten Wahlgang konnte er seinen Triumph sogar noch deutlicher zeigen denn von 207 Stimmen erhielt Infantino 115. Hauptkonkurrent Salman bin Ibrahim Al Chalifa war somit unterlegen und der neue Boss sicherte sich die absolute Mehrheit.

Auch seine bessere Hälfte engagiert sich für den Fußball

Gianni Infantino ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Seine Frau stammt aus dem Libanon und war dort als stellvertretende Generalsekretärin beim Fußballverband tätig. Neben der schweizerischen Staatsbürgerschaft besitzt Infantino auch die italienische Staatsangehörigkeit. Sein Vater, der ursprünglich aus Italien stammt, war Briefträger, seine Mutter wusch die Trikots für den örtlichen Fußballverein.

Visionen und Ziele: Große Aufgaben warten auf den Schweizer

Der neu gewählte Präsident hat bereits unmittelbar nach der Wahl seine ersten entscheidenden Worte gesprochen. So sagte er: „Die Wahl ist durch, jetzt blättern wir um. Ich werde der ganzen Welt zeigen, dass ich kein Kandidat Europas bin, sondern ein Kandidat des Fußballs.“ Unter Druck steht der neue Chef dabei nicht wirklich, obwohl es eine Vielzahl an Aufgaben gibt, die unbedingt bewältigt werden müssen. Infantino plant aber durchaus schon tiefgreifende Schritte, die in den kommenden Wochen und Monaten vorangetrieben werden sollen. Die erste große Aufgabe wartet bereits am kommenden Wochenende, denn dann entscheidet Infantino mit über den Einsatz von Videobeweisen. Der Weltverband besitzt vier der acht Stimmen im Gremium und könnte demnach ganz entscheidend für eine mögliche Einführung der technischen Hilfsmittel sein. Anpacken will der neue Mann an der FIFA-Spitze aber auch bei den Reformen. Der Weltfußballverband soll endlich wieder transparenter werden. Aus diesem Grund wurden die Rechte und Mächte des Präsidenten und des Exekutivkomitees bereits eingeschränkt. Um mögliche Interessenskonflikte gut abfedern zu können, versprach Infantino zudem schon jetzt, als Generalsekretär keinen Europäer zulassen zu wollen. Somit sollen unterschiedliche Interessen der Kontinente berücksichtig werden können und ein mögliches Ungleichgewicht gemindert werden.
Heftig gefordert ist der Schweizer aber auch im finanziellen Sinne, denn in der Vergangenheit sind zahlreiche renommierte Sponsoren der FIFA abgesprungen. Bis 2018 wird mit einem Minus von rund 550 Millionen Dollar, im Verhältnis zum letzten Zyklus bis 2014, kalkuliert. Genau hierfür könnte Infantino allerdings der richtige Mann sein, denn bereits bei der UEFA ist er auf zahlreiche Sponsoren zugegangen und konnte diese ins Boot holen. Mit positiven Folgen für die finanzielle Entwicklung des europäischen Fußball Verbandes.

Statement von Gianni Infantino nach der Wahl zum FIFA-Präsidenten

 

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